Kriminalität · Chinesischsprachiger Diskurs; Betrugszentren in ganz Südostasien

„Ferkel“ (Zhūzǎi)

  • zhūzǎi
  • Chinesischsprachiger Diskurs; Betrugszentren in ganz Südostasien
  • Eigenbezeichnung der Beteiligten

Einfach erklärt

Bezeichnung für die in die Betrugszentren verschleppten Arbeitskräfte. Dasselbe Wort mit derselben Verbverbindung 卖猪仔 wurde im 19. Jahrhundert im Handel mit vertraglich gebundenen chinesischen Kuli-Arbeitern verwendet. Dazu gehörte ein ganzer Wortschatz: 猪仔馆 für die Sammelunterkünfte, 猪仔船 für die Schiffe und 猪仔纸 für die Dienstverträge.

Begriffsart

Eigenbezeichnung der Beteiligten. Sprachgebrauch der Beteiligten selbst. Hilfreich zum Wiedererkennen, aber keine neutrale Beschreibung.

Wörtliche Bedeutung

„Ferkel“. Die Verbform 卖猪仔 bedeutet, einen Menschen an das Gewerbe zu verkaufen.

Was im Englischen falsch dargestellt wird

Zwei Fehler: Erstens denken englischsprachige Leser bei einem „Schwein“ in diesem Zusammenhang an 杀猪盘. Dort ist 猪 jedoch der betrogene Anleger. 猪仔 bezeichnet dagegen die verschleppte Arbeitskraft, also eine ganz andere Person auf der anderen Seite des Betrugs. Zweitens nennen die Betreiber ihre Arbeitskräfte nicht 猪仔. Ihr eigener Ausdruck ist 狗推.

Welche Bezeichnung stattdessen verwenden?

„Verschleppte Arbeitskräfte“ verwenden und 猪仔 hinzufügen, wenn der chinesische Sprachgebrauch selbst Gegenstand ist. Die begriffliche Kontinuität mit dem Kulihandel ist belegt. Ob heutige Nutzer bewusst daran anknüpfen, ist dagegen nicht belegt und darf nicht behauptet werden.

Quellen

  1. Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts: 卖猪仔 im Kulihandel nach Quellen aus der Qing-Zeit; Unterlagen zu Anwerbehäusern in Macau, 1865–73
  2. Heutiger Sprachgebrauch in chinesischsprachiger Berichterstattung über Betrugszentren